Lebenswandel – tierleidfreie Ernährung

Hervorgehoben

Ich werde oft gefragt wie es bei mir dazu kam:

2013 erhielt ich die Vorstufe einer Diagnose, die durch eine OP behoben wurde. Da hat es bei mir Klick gemacht, wobei ich mir bereits zuvor Gedanken um Ernährung im Allgemeinen gemacht habe.

Mein ganzes Leben veränderte sich dadurch schlagartig.

Zu dieser Zeit befasste ich mich dann auch sehr bald mit dem Thema Lebensumstände. Meiner Lebensumstände!

Ich begab mich auf die Suche nach einer für mich passenden künftigen Lebensform. Schnell fand ich entsprechende Beiträge zu diversen Themen.

Das erste, was ich damals im WorldWideWeb fand war der Film Earthlings (Triggerwarnung) und was soll ich sagen. Ich sah hin und begriff innerhalb einer Sekunde, dass ich davon kein Teil mehr sein wollte! Von einer Sekunde auf die andere wurde ich zur Veganerin. Mehr schaffte ich als Seinsibelchen mir gar nicht anzusehen.

Was nun….
Wie fange ich an? Wie koche ich fortan? Was kann ich essen? Was davon schmeckt mir? Ich deckte mich mit Kochbüchern ein und fand so nach und nach heraus, was ich mochte und was verleiht meinem kochen meine persönliche Note; es wurden, so viel darf ich verraten auch die Wildkräuter.

Zu dieser Zeit gab es noch keine „Ersatzprodukte“ in den Regalen. Nichts! So begannen meine Einkäufe im Reformhaus, denn andere gab es zu dieser Zeit nur in Großstädten. Irre, was sich bisher getan hat. Heute ist es so einfach und eigentlich gäbe es keine Ausrede mehr. Eigentlich! Denn es ist noch sehr viel zu tun, bis Menschen beginnen, hinter den tierischen Produkten nicht nur Produkte zu sehen, sondern liebevolle Lebewesen. Vom System wurde uns der Bezug abtrainiert.

Ich weiß noch genau wie ich mich in den ersten Monaten gefühlt habe. Ich hatte Energie wie noch nie zuvor und mein Kopf und Geist war plötzlich so klar. Ein unbeschreibliches Gefühl, welches ich so noch nie zuvor erlebt habe!

Es veränderte sich jedoch nicht nur meine Ernährung; rückblickend kann ich sagen, dass sich mein ganzes bisheriges Leben dadurch verändert hat und meinen Blick darauf.

Ich beendete meinen Bürojob und absolvierte nebenher mein Zertifikat zur Kräuterpädagogin. Ein ganz neues Leben welches sich auftat. Da war er MEIN SEELENWEG. So dachte ich damals 2018. Das alles anders kam…
Auf diese Reise nehme ich euch mit auf meinem Blog.

Ich könnte hier nun weiter definieren, was am Vegan-sein so viel besser ist, davon halte ich persönlich nicht viel. Denn wen es interessiert, der begibt sich selbst auf die Reise und erfährt es so wie er es für sich benötigt.

Auch belehre ich Andere um mich herum nicht. Es ist ihr Leben und nicht meines! Mir ist völlig egal, wenn Andere anders leben als ich. Ich empfinde weder Mitleid, noch Unverständnis oder sonst etwas! Auch auf Antworten wie:“ Das könnte ich nie…., ich könnte nie auf XY verzichten…“ gehen völlig spurlos an mir vorbei! Naja, meistens-je nach meiner Tagesverfassung als Seinsibelchen 😉

Das der Konsum von Massentierhaltungsprodukten oder Milchprodukte ungesund sind, hat sich ja mittlerweile, auch trotz der großen Lobby, herumgesprochen! Und wer für sich daran etwas ändern möchte, wird es tun oder eben nicht.

Anfangs habe ich mich für all die armen Tiere „Fremd-verletzt-gefühlt“. Das ging soweit, dass ich nächtelang nicht schlafen konnte, weil mich die schrecklichen Bilder der gequälten Tiere verfolgten und ich anfing, meine bis dahin geliebten Menschen um mich herum mit Unverständnis zu begegnen! Aus diesem Teufelskreis mußte ich raus! Heute weiß ich, das es jedermanns eigene Reise sein und bleiben muß.

Nun beginne ich meinen Blog und ich selbst bin gespannt….

Copyright by Rocita Meike Koppmann

(Bio)Diversität der heimischen Hülsenfrüchte

Menschen die mich kennen oder kennengelernt haben auf meinen vergangenen Veranstaltungen wissen, dass mein Herz für die Diversität schlägt. Es ist egal welche Religion, Herkunft, Zugehörigkeit, Hautfarbe uvm. du hast – wir sind Menschen. „Sein einfach ein netter, höflicher Menschen und kein Arschloch…“ war so ein typischer Satz zu Beginn meiner Veranstaltungen.

Kommen wir nun zu meinem heutigen Beitrag, der gestern beim Einkauf in einem Hofladen bei mir in der Nähe „zufällig“ entstand. Er wird von einem älteren Ehepaar seit Generationen geführt und gehört keiner großen Kette an. Da sie klein und regional bleiben möchten, verlinke ich ihn hier nicht.
Da ich dort zuvor noch nie war, lobte ich beim Durchstöbern ihre saisonale Auswahl. „Ach, wissen Sie, es ist schwer geworden. Auch unsere kleinen (trockenen) Äcker mit dem Anbau zu bestellen.“ „Darf ich fragen was Sie anbauen?“ So gingen wir dann ums Eck und so zeigten sie es mir. „Warum bauen Sie nicht Hülsenfrüchte, Hanf, Flachs – das von früher halt an?“ „Hanf? Wir möchten doch keinen Ärger.“ „Wussten Sie, dass Hanf früher, vor der Hippiezeit, als ganz normaler Rohstoff angebaut wurde? Und solange Sie männliche von weiblichen trennen bzw. diese erst gar nicht zusammen anbauen, es keine Blüten gibt, die dann als Rauschmittel gelten? Oder das meine Lieblingshülse die Ackerbohne (auch Saubohne genannt) hier in der Region so gut gedeiht, nebenbei noch die Böden regeneriert (=gesundet) und köstlich schmeckt?“ „Ackerbohne, die kenne ich noch von meiner Großmutter.“ „Ja oder das es Bauern gibt, die Kichererbsen, Quinoa, Hirse uvm. heimisch anbauen?“ „Das ist ja interessant. Haben Sie da vlt. Kontakte, an die wir uns wenden können?“

So ist nun die Idee für diesen Beitrag entstanden. Eine Liste existiert nämlich nicht.

Diversität ist ebenso Teil unseres Einkaufes. Oder wusstet ihr, dass bsp. Linsen weit weg importiert werden und da ist es egal, ob wir ihn im Einkaufsregal oder Unverpacktladen einkaufen? Unter welchen Bedingungen müssen die Arbeiter*innen arbeiten, wie werden die Böden gespritzt und mit mit was, wie sind die Transportwege usw.

Und das es hunderte verschiedene Arten (Biodiversität) seiner Art gibt?

Ähnlich wie Bohnen – Buschbohnen, Stangenbohnen, Sojabohnen, Ackerbohne uvm. Manche wachsen als Busch, als Strauch, Ackergewächs.
Unzählige Möglichkeiten und mittlerweile immer regionaler.

Meine geliebte Ackerbohne habe ich selbst bei einem Vortrag von Bioökonomie Braunkohle Revier kennengelernt (www.biooekonomierevier.de). Ich war so begeistert, dass ich einen regionalen Bauern fand und seither seine „Rheinische Ackerbohne“ in einem Hofladen beziehe (www.wagnermuehle.de)
Unbezahlte Werbung mache ich gerne, denn wenn wir immer mehr werden, selbst auf die regionale Suche gehen oder wir eine Übersicht, geordnet nach PLZ, miteinander erschaffen, so leisten wir damit einen guten Beitrag für uns alle und vor allen Dingen, den (Jung)Bauern, die genau diese Nahrung anbauen. Es existiert keine Übersicht für diese Anbieter, daher habe ich für mich selbst begonnen, mir diese anzulegen und somit mit meinem Einkauf diese Anbaugebiete zu unterstützten. Denn mit unserem Einkauf können wir so viel erreichen und entscheiden, für Land, Leute und unseren (Klima)Fußabdruck 🙂

Hier eine Auswahl. Meldet euch gerne bei mir und ich ergänze diese Liste, sodass wir eine regionale Übersicht erhalten:

54317 Sommertau
Wagner Mühle GmbH (u.a. Ackerbohnen)

04129 Leipzig
Hülsenreich GmbH (Kichererbsen)

85232 Bergkirchen
Kienader Quinoa GbR

84378 Dietersburg
Natürlich-leben-manufaktur (u.a. Hirse)

96346 Wallenfels
Frankenwaldhanf (u.a. Hanfprodukte)

73579 Schechingen
Zeirenhof (u.a. Linsen)

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Die Brennnessel

Die Brennnessel, das am meisten unterschätzte Wildkraut und dabei das gesündeste. Soldatenkraut wurde es auch genannt. Soldaten im 1. Weltkrieg wären ohne diesem Kraut verhungert. So nutzten sie es zur Ernährung. Es bietet über 50 Schmetterlingsraupen eine Kinderstube und ist in der Zeit ihHauptfutterpflanze. Ein ganzes Buch könnte ich über sie schreiben. So viele gute Eigenschaften und Nutzung schenkt uns diese wundervolle Pflanze.

Falttechnik
Brennnesselblatt

Woher hat die Brennnessel ihren Namen? In alten Aufzeichnungen finden sich hierzu einige Rückschlüsse. Die für mich plausibelste und der ich gut reinspüren kann, ist die, dass ihre Reaktion der Haus bei Kontakt den Symptomen der Nesselsucht ähnlich war. Bei der nordischen Völkern wurde sie auch Donnernessel genannt, dem mächtigen Thor geweiht, so war er nicht nur Schutzherr heftiger Gewitter, als auch Schutzherr aller rauschbringenden Gebräue. Bis Klöster und Fürsten mit gehopften Bieren das Geschäft übernahmen, waren es die Hausdamen, die Heilbiere mit Wildkräutern brauten.

Die große Brennnessel ist ein stickstoffhungriger Apophyt, eine immer schon einheimische Pflanzenart, die bereits in der Mammutsteppe besiedelt war. Man verwendet die gesamte Pflanze (Blätter, Stiel, Wurzeln und Samen).

Bei den nordischen Völkern wurde sie auch Donnernessel genannt, dem mächtigen Donar/Thor geweiht. Thor als Gewittergott war auch Schutzherr aller rauschbringenden Gebräue. In England wird aus den Brennnesseln ein Bier gebraut, das Nettlebeer, das vor allem älteren, von der Gicht befallenen Menschen helfen sollte. Bei der früheren Landbevölkerung waren erfrischende Nesselbiere besonders während der schweißtreibenden Erntearbeit sehr beliebt. Die Raupe des Tagpfauenauges ernährt sich fast nur von der Großen Brennnessel. Sie ist Futterpflanze und Verpuppungspflanze von weiteren unzähligen Schmetterlingen.

Die Brennnessel war mein Angstkraut. Ich habe mich damals nicht getraut sie mit bloßen Händen zu pflücken. Heute fasse ich sie, ohne nachzudenken, einfach an und werde von ihr erinnert, wenn ich mich ihr nicht behutsam und mit Achtsamkeit zuwende. Das brennen wird beispielsweise in der Rheumatherapie zur Anregung der Durchblutung angewandt, indem man frische geschnittene Büschel auf die betroffenen Stellen schlägt. Die Brennhaare sind ihr Schutzmechanismus gegen Fressfeinde und befinden sich überwiegend auf der Blattoberseite. Es sind lange Röhren, die bei Kontakt einen ameisensäurehaltigen Inhalt abgeben und zum Jucken führen. Bei einigen entstehen sogar große Quaddeln. Grund für diese Wirkung ist, dass manche auf den Wirkstoff Histamin, der neben Serotonin, Acetylcholin und Natriumformiat in der Brennflüssigkeit enthalten ist, reagieren, da das Histamin die Blutkapillare erweitert und eine allergische Reaktion hervorruft. Die Brennnessel gehört zur Familie der Brennnesselgewächse (Urticaceae). Diese Gattung der großen Brennnessel umfasst ca. 45 Arten. Die kleine Brennnessel, auch Eiternessel genannt, umfasst eine geringere Anzahl. Viele glauben, dass die zu verwechselnde Taubnessel zur gleichen Familie gehört. Die Taubnessel ist jedoch der Familie der Lippenblütler zugehörig und somit eine gute Nektarpflanze für Bienen. Kommen wir zurück zum Vitalkraut schlechthin. Für die meisten Menschen ist die Brennnessel der Inbegriff des Unkrauts. Dabei ist sie das gesündeste Wildkraut mit allen notwendigen Vitaminen, Mineralstoffen und Aminosäuren. Ich verwende sie anstelle des kultivierten Spinats, in Smoothies, Suppen, Dips und mein Hund erhielt sie ebenso frisch püriert unter sein selbstgekochtes fleischfreies Futter. Auch ihm bekam sie sehr gut.

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In den Blättern stecken ein bis zwei Prozent Flavonoide. Daneben sind organische Säuren wie Kaffeoyläpfelsäure, ätherisches Öl, die Vitamine C, B und K sowie Steroide enthalten. Auch Mineralien wie Kalium, Kalzium, Magnesium, 6 Eisen, Phosphor und Kieselsäure kommen in großen Mengen vor. Ihr Vitamin C-Gehalt übersteigt den des Brokkoli um das Dreifache. Weiterhin ist die Brennnessel ein 1a-Eiweißlieferant, denn sie bietet einen sehr hohen pflanzlichen Anteil an pflanzlichem Eiweiß: 7,4 g./100 g. (das entspricht 30,4 % pflanzliches Protein in Trockenmasse). Sie enthält alle 8 lebensnotwendigen essenziellen Aminosäuren und das in einer perfekten für den Menschen geeigneten Zusammensetzung. Ihr Eisengehalt auf 100 g. frische Blätter enthalten 4,1 mg, Rindfleisch lediglich 3,2 mg und Geflügel nur 2,6 mg. Die Brennnessel überbietet sogar den Spinat (3,4 mg auf 100 gr.) und das ohne Purine, die zur Übersäuerung des Körpers führen und Gicht und Arteriosklerose verursachen.

Zudem ist die Brennnessel für Veganer und Vegetarier, für die Fleisch, Milch oder Eier nicht als Eisenlieferant dienen, eine gute Ergänzung zu einer ausgewogenen Ernährung. Im Frühsommer als Teekur wirkt sie als Durchspülungstherapie bei Hautausschlägen, Gicht, rheumatischen Beschwerden, blutreinigend und entschlackend. Eine Haarspülung aus Brennnesseltee verhalf in früheren Zeiten bemerkenswertes volles Haar bis ins hohe Alter. Eine Glanzspülung habe ich im Rezeptteil beigefügt. Man sollte sie jedoch nicht täglich zu sich nehmen und 2-3 Tage pausieren, da ihre ausleitende Eigenschaft auch wichtige Nährstoffe mit ausscheidet.

In der Bronzezeit wurden die Pflanzenfasern dazu verwendet, um Stoffe herzustellen. Im 19. Jahrhundert war sie dann der Stofflieferant der armen Leute. Im 20. Jahrhundert wurde die Brennnessel als Uniformstoff auch zum einfärben derselbigen genutzt. Aus diesem Grunde sammelt man innerhalb des oberen Drittel. Je weiter runter man sammelt, desto herber und fasriger wird die Pflanze. Diese Faser muss dann auch durch den Organismus und macht sie dadurch schwer verdaulich. Wie pflücke ich die Brennnessel so, dass ich möglichst nicht oder wenig gebrannt werde? Entweder ihr bewaffnet euch mit Schere und Handschuhen oder ihr fasst entlang des Stängels in Wuchsrichtung hoch zum Blatt und zwickt es mit dem Daumennagel ab. Dann faltet ihr das Blatt in der Mitte, rollt es auf und zerdrückt es ganz fest, so könnt ihr es unterwegs roh genießen. Wer von euch hat schon einmal rohe Brennnessel unterwegs gegessen? Es ist ein Versuch wert. Sie schmeckt fein würzig süßlich.

Wenn ihr sie für einen Smoothie, Dip, ausbacken, Suppe usw. in größerer Menge sammelt, könnt ihr die Brennhaare zerstören, indem ihr sie in heißes Wasser oder Öl gebt, mit einem Nudelholz walkt oder ihr sie im Mixer mit anderen Zutaten püriert. Nicht zu vergessen die Brennnesseljauche. Diese riecht jedoch so streng, dass man sich hier in der Nachbarschaft keine Freunde macht, es sei denn man teilt sie mit den Nachbarsgärten. Hiermit werden fast alle Schädlinge vertrieben. Ich möchte auf die hervorragende Eigenschaft des Mulchens mit der Brennnessel erwähnen. Um Gemüsepanzen oder generell Panzen mit all den guten Nährstoffen für das Wachstum zu versorgen, stellt man einen Brei aus der Pflanze her oder ich zerpflücke sie einfach und verteile sie um das Eingepflanzte. Neben den Blättern sind auch die Wurzeln zu verwenden und bei Männern eine gute Beschützerin der Prostata, die ihre Wirkung ohne Nebenwirkungen entfaltet, was in medizinischen Studien überprüft wurde. Der sekundäre Pflanzenstoff Lignane kann das alterstypische Prostatawachstum stoppen und ist lipophil, d.h. man muss die Brennnesselwurzel in Alkohol ansetzen. Bei dem Thema Wurzel tue ich mich persönlich schwer, da Wurzeln entfernen die komplette Vernichtung des Wildkrautes bedeutet.
Da wiederhole ich mich gerne immer wieder gerne.

Früher waren Kaffee, Tee, Gewürze uvm. Luxusgüter, die konnte man sich als Normalbürger nicht leisten und nutzte daher noch Wildkräuter und auch viele Wurzeln fanden ihre Verwendung. Erntezeit ist zur Verwendung von November bis März.

Zu guter Letzt erzähle ich euch nun vom Superfood par excellence, den Samen der Brennnessel.

Die perfekte Sammelzeit ist Mitte Juli bis September, wenn die Nüsschen braun sind. Hierbei gibt es männliche und weibliche Brennnesselsamen. Nur in den weiblichen Samennüsschen befinden sich die über aller Maßen gesunden Inhaltsstoffe: Schleimstoffe, Linolsäure, viel Vitamin E und Eisen. Den höchsten Anteil an natürlichem Protein sind in 1 Esslöffel so viel wie in 3 Sportpowerriegel. 31 gr. Eiweiß stecken in 100 g Brennnesselsamen. Hochleistungssportler, Bodybuilder und Veganer nutzen sie als leistungssteigende Energiequelle, da sie nicht auf der Dopingliste stehen. Man kann sie sogar bei großen Anbieterportalen im Internet bestellen. Nonnen und Mönchen war es im Mittelalter untersagt, Brennnesselsamen zu verzehren, da sie aphrodisierend wirken. Weiterhin gelten Brennnesselsamen als „Wiesen-Viagra“. Sie sollen bei Männern die Samenproduktion anregen und tatsächlich luststeigernd wirken. Auch bei Frauen wirken sie sich positiv auf den Östrogenspiegel aus. Die männlichen Brennnesselsamen tragen die Samen mit den Pollenkapseln, die dann die weiblichen Panzen bestäuben. Diese weiblichen tragen dann die Samenstränge, die geerntet werden. Ich pflücke den ganzen Stiel und lege es zum Trocknen auf ein Blatt Papier. Die Nüsschen fallen nach dem trocknen auf das Blatt, so erspare ich mir das mühsame abpflücken an der Pflanze und sie wächst komplett so am Stiel nach. Ich sammle sie auf Vorrat und fülle sie, sobald sie komplett durchgetrocknet sind, in große Gläser bis zur nächsten Sammelperiode. Diese kommen bei mir als Topping über den Joghurt, ins Müsli, in den Teig für Brot oder Brötchen, esse sie auch gerne pur. Die männlichen Samen stehen von der Pflanze ab, enthalten keine nennenswerten Inhaltsstoffe und können verzehrt werden. Die weiblichen hängen in Trauben von der Pflanze und sehen im Vergleich komplett anders aus. Beobachtet es einmal selbst und schaut euch die Pflanze mal ganz genau an. Ich hoffe, ihr habt nun auch große Lust das meist unterschätzte Wildkraut neu kennenzulernen und fortan zu schätzen.

Copyright Rocita Meike Koppmann

Wild wild world

Eine Ode an unsere wilde Pflanzenwelt.

Die Ernährung unserer Vorfahren, regional, saisonal, höhere Nährstoffdichte. In einer Zeit vor der industriellen Revolution und das Einleiten des Vergessens wurden durch das Sammeln von Wildpflanzen der Speiseplan unserer Vorfahren bereichert. So standen nah an den Siedlungen regionale saisonale Wildpflanzen, fast ganzjährig, zur Verfügung. Die Bewohner wussten um Ihre Nutzung. Heilerinnen und Heiler kannten ihre Heileigenschaften, noch weit vor Etablierung einer künstlichen Pharmalobby. Besonders im Frühjahr, wenn die Lagervorräte für den Winter aufgebraucht waren, waren Wildpflanzen die wichtigste Sammelzeit, um den Entbehrungen des Winters die Menschen wieder mit wertvollen Nährstoffen zu versorgen. So dankten in der Weltanschauung unser Vorfahren sie der Frühlingsgöttin und sie dankten Mutter Erde (Gaia) für die ersten Triebe. Wildpflanzen wurden als beseelte Wesen erkannt, als Geschenke der Erdgöttin, der man selbstverständlich Respekt und Dankbarkeit entgegenbrachte. Eine Eigenart derer wir uns wieder zurückerinnern sollten. Viele alte Rituale hielten Einzug in den kirchlichen Jahreskreis und die Gottesmutter Maria trat immer an die Stelle der heidnischen Frühlingsgöttin. Übrigens haben sich unsere Wildtiere das bewahrt. Sie wissen genau, welche Wildpflanzen ihnen wann zur Verfügung stehen. Worauf ich beim sammeln von Wildpflanzen eingehen möchte, ist, dass bitte achtsam gesammelt wird. Denkt daran, dass all die Wildpflanzen die Nahrung unserer freilebenden Tiere sind und von unzähligen Bestäubern die Futterpflanze. Hier sollten wir achtsam sein, wo und vor allem wie viel wir sammeln. Einige unserer Tierarten verhungern, weil sie durch Städte- und Landwirtschaft das meiste ihrer wilden Nahrung verlieren. Daher bitte nur das sammeln, was unmittelbar verarbeitet wird und wenn nicht genug vorhanden ist, woanders suchen oder wer einen Garten hat, selbst dort anpflanzen, Familie, Freunde, Bekannte fragen, ob ein Teil des Gartens wild gestaltet werden kann. Unsere Tiere können nicht in den Markt. Es geht auch um Ressourcen, derer wir uns im Außen immer mehr zu Eigen machen und was sich letztendlich immer rächen wird. Es folgt einem Naturgesetz und je weiter wir uns davon entfernen, je mehr werden wir die Auswirkungen zu spüren bekommen. Wenn ich für meinen Bedarf in der Natur einkaufen gehe, schaue ich, was und wie viel vorhanden ist und nehme nur das, was schnell wieder nachwächst. So lasse ich an manchen Tagen und Monaten Früchte und Nüsse an den Bäumen und Sträuchern, weil ich sehe, dass die Tiere es derzeit benötigen. Wurzeln sammle und nutze ich persönlich gar nicht, weil ich damit den Fortbestand der Pflanze zerstöre. Auch hier spürt jeder in sich selbst hinein. Wildpflanzen haben auch ganz viel mit rein spüren zu tun. Achtsamkeit! Dem Kreislauf der Natur folgen, all das sind Themen die uns einladen, unser Tun zu überprüfen. Achten wir hierauf nicht, verhungern um uns herum Tiere, die unsere Nahrung bestäuben, daraus folgt, dass wir keine oder immer weniger Nahrung zur Verfügung haben. Da bin ich wieder beim Kreislauf angelangt.

Wenn wir uns bewusst machen, was Wildpflanzen sind, nämlich Pflanzen, die ihren ursprünglichen Lebensraum in der Natur haben und sich ohne menschliche Hilfe am Leben halten. So haben wir allein in Deutschland unzählige heimische Wildkräuter. Zählt man nun nicht nur die Wildkräuter, sondern ebenso Wildsträucher, -Wurzeln, -Nüsse,- Bäume-und –blätter hinzu, kommen wir auf einen sehr reich gedeckten wilden saisonal regionalen Gabentisch. Wildpflanzen sind die Mütter der meisten Produkte unserer auf Masse gezüchteten Kulturpflanzen, d.h. das meiste was wir essen entsprach vor seiner Kreuzung einer wilden Art. Sie begleiten unsere Menschheit seit Beginn an  und hatten sie einen sehr hohen Stellenwert, der in Vergessenheit geraten ist. Jeder Schritt zurück zu unseren Vorfahren, wird unser Leben für immer verändern. Unsere DNA wird sich erinnern und zeigt uns unsere Ursprünglichkeit. Alte Themen kommen hoch und laden uns ein, ihnen zu begegnen. Wildpflanzen sind so viel mehr als nur grün. Daher geht achtsam mit ihnen um, geht achtsam mit euch um. Wildpflanzen verfügen über natürliche Bitterstoffe, welche in unserer Ernährung immer mehr rausgezüchtet wird. Wie weit wir uns vom Ursprung weg entwickeln ist erschreckend und „gut“ für all die Lobbisten. Denn krank bringen wir ihnen am meisten.

Eine wahre Begebenheit möchte ich euch mit auf den Weg geben:

Zur Vorbereitung zu einer Wildpflanzenführung fuhr ich in einem mir unbekannten Wald. Auf der Suche nach dort wachsenden Wildpflanzen fiel mir ein Wildkraut auf, welches sich dort in einem Ausmaß befand, welches ich so noch nirgends gesehen hatte. Auf der Hälfte der Strecke machte ich in einer Lichtung kurz Rast. Da spürte ich, dass an diesem Ort etwas geschehen war, was ich in diesem Moment nicht erklären konnte. Zuhause begab ich mich dann auf Recherche, kontaktierte einen Heimatverein und erhielt Aufzeichnungen beginnend dem 18. Jahrhundert. Als ich ihnen von meinem Eindruck erzählte, gaben sie an, dass dort, genau an dieser Stelle, an der ich Rast hielt, früher im Ersten Weltkrieg ein Lazarett für Soldaten mit Zahnproblemen war. Das Wildkraut, welches sich mir dort zeigte, war Nelkenwurz. Unsere Vorfahren nutzen es u.a. bei Zahnschmerzen und ist unsere heimische Nelke. Durch mein Zulassen im Außen das sich alles zeigen darf, durfte ich das wahrnehmen. Ihr versteht was ich euch damit sagen möchte. Je mehr wir uns unseren Wurzeln zurückbesinnen, je mehr kommen wir wieder zurück zur Natur in uns und um uns herum.

Ihr betretet eine Welt, die Sagenumwoben, heilend, kräftigend, nährend und Teil unserer Menschheitsgeschichte ist. Und ihr das achtsam zulasst, wird sie euch ihren Schatz schenken. Auf dieses Geschenk müsst ihr acht geben.

Wer beginnt öfter selbst zu sammeln, wird seine Gegend mit den dort wachsenden Wildpanzen neu entdecken. Sie laden uns ein ihren Wegen zu folgen, wieder hin zu sehen, zu fühlen und erkennen, wer dort einmal lebte, anbaute, nutzte, wie die Beschaffenheit des Bodens ist, welche Tiere dort leben u.v.m. Spürt da selbst einmal in euch hinein. Mir erzählen die Gegenden ihre eigenen Geschichten.

Back to the roots – zurück zum Ursprung. Warum bist du hier? Erinnere dich.

Copyright by Rocita Meike Koppmann